Willkommen in meinem Atelier!

Auf den Katalogseiten finden Sie einige Beispiele meiner Arbeiten – Malerei, Materialbilder, Collagen, Papierarbeiten, Reisefotografie… Die Artikel beschäftigen sich mit Themen wie Kunstbetrachtung, Satire und anderen Anmerkungen, Veranstaltungs- und Workshopterminen…

 

Atelier Karola Hinckel – Langstraße 3 -  D-65558 Gückingen
Tel.: +49 (0) 64 32-80 11 99 – E-Mail: info@kh-art.de

 

12.11.2011 Banken in die Schranken

Am Samstag demonstrierten 18000 Bürger in Frankfurt und Berlin gegen die Machenschaften der Banken. Quer durch alle Bevölkerungsschichten zieht sich der Protest gegen die desaströse Situation in Wirtschaft, Politik und Banken der Bundesrepublik. Die unterschiedlichsten Standpunkte werden sichtbar – von ganz links bis zu bibeltreu, von ganz jungen Demonstranten bis zur Rentnergeneration – alle vereint der Zorn gegen die Milliarden-Verschwendung im Dienste der “Märkte” im Kontrast zu Defiziten im sozialen Bereich und dem Arbeitsmarkt. “Friedlich” sind sie gewesen, die Demonstrationen – das ist der lapidare Komentar der Medien – vermisst man etwa die Randale und Sachschäden der 60er und 80er Demos? Hier geht es nicht um AKWs, Wiederaufbereitungsanlagen oder Landebahnen – hier geht es um unser bürgerliches System, das nicht mehr zum Wohl eines “Sozialstaates” funktioniert. Die Politik ist zur Marionette der Finanzmärkte degradiert. Die Macht der Banken stürzt Berlusconi und Papandreou – zynischer geht es kaum noch – wann erwischt es uns! Die jämmerlichen Versuche, durch “Bankenrettung” und “Rettungsschirme”, die selbstverschuldete Verschuldung zu stabilisieren, offenbart nur die nackte Angst in den Gesichtern unserer Politik und Wirtschaft. Ich hoffe, dass alle Bürger dieses Landes endlich aufstehen und ihren Zorn öffentlich zeigen, denn die Stimme des Wählers gilt nichts mehr in diesem Land. Noch stehen die Türme der Banken und Versicherungen – es wird Zeit, dass deren willfährige Diener sie selbst niederreissen, bevor es die Bürger tun…

Erhebt Euch und zeigt Euren Zorn!  Infos unter www.attac.de

 

Symposium zum Thema Diffusion

6 tschechische und 6 deutsche Künstler und Künstlerinnen arbeiten zum Thema in den Techniken Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation vom 18. bis 22. Juli 2011   www.sukus.com

Vernissage der Ausstellung in der Maria-Magdalena-Kirche in Zubrnice am 23.7.2011 um 18 Uhr pozvanka11D

Die Ausstellung ist vom 23. Juli bis 30. September in der Magdalenen-Kirche Zubrnice geöffnet.
Vom 1. Oktober bis 20. Oktober 2011 ist die Ausstellung als Dokumentation in Prag im Palac Akropolis zu sehen.

von Alexander Jeanmaire

Sie ist umworben. Mit ihr will man sich sehen lassen; sie öffnet Türen, die ohne sie nicht einmal erkennbar waren. Ihre Gegenwart verleiht Charisma, sie ist so begehrt, dass sie auch immer wieder gestohlen, gefälscht und vorgetäuscht wird. Das ist allerdings so nutzlos, wie der Versuch, sie festzunageln. Sie ist unberechenbar und launenhaft – man kann sich lange um sie bemühen, ohne erhört zu werden, und dann wieder beschenkt sie einen, der sie nicht einmal eingeladen hat. Einige Begnadete genießen ihre Gunst, seit sie geboren wurden – anderen bleibt sie ein Fremdwort. Sie wird idealisiert und verherrlicht, vor allem von jenen, die sie noch nicht persönlich kennen. Wo von ihr gesprochen wird, ist sie oft am weitesten entfernt. Manche aber, die von ihr heimgesucht worden sind, berichten, dass sie durchaus ein Teufel sein kann, der das Leben zur Hölle macht, und einen nie in Frieden lässt. Sie hat mehr als zwei Gesichter und einige von ihnen sind sehr beunruhigend. Über eines jedoch sind sich die meisten einig: Wir brauchen sie – nicht nur für die schönen Seiten des Lebens; sie ist unentbehrlich, egal wie wir sie nennen. Wir brauchen sie ganz besonders in Krisenzeiten – in eigentlich unlösbaren Situationen ist sie die einzige Hoffnung. Aber wehe, wenn wir uns einfach auf sie verlassen und sie für selbstverständlich nehmen. Dann kann sie uns eiskalt übersehen, so als existieren wir gar nicht für sie. Wer auf sie baut muss schwindelfrei sein und darf Abgründe nicht fürchten.
Oft spielt sie herum oder hält sich versteckt, und wenn wir es am wenigsten erwarten, platzt sie herein – allerdings nur dort, wo die Tür offen ist. Das verrückte ist, dass wir nicht einmal genau wissen, welche ihre Türen sind. Andererseits kann sie richtig aufdringlich werden, lässt einen nicht mehr in Ruhe mit ihren Launen, Ideen, Einfällen und Erkenntnissen. Ja, es gibt Menschen, denen läuft sei geradezu hinterher, sogar bis in den Schlaf, manchen erscheint sie in den Träumen.
Eifersüchtig ist sie nicht. Sie hat so viele Liebhaber, wie es Menschen, Blumen und Sterne gibt. Sie ist frei und erfinderisch, und es gelingt ihr immer wieder, sich selbst zu übertreffen.
Auch ich habe ein Verhältnis mit ihr. Genauer gesagt: manchmal besucht sie mich, dann schlagen wir uns die Nächte um die Ohren, ohne eine Sekunde Schlaf. Manchmal wünsche ich mir, dass ich nie etwas mit ihr zu tun bekommen hätte; aber jetzt ist es zu spät. Ich habe mich mit Haut und Haaren auf sie eingelassen und bin völlig davon abhängig, dass sie kommt.
Das Verhältnis ist sehr einseitig: Wenn ich sie suche, kann ich sie nicht finden, sondern ich kann mich nur selbst auffindbar für sie machen. Diesen Teil unserer Beziehung schätzt mein Ego überhaupt nicht.
Vielleicht lässt sich mancher auch deshalb nicht auf sie ein: sie kann einen verschlingen. Sie fordert alles: die Hingabe von Geist, Körper und Seele. Sie fordert Vertrauen und Demut. Das kann kräftig knirschen in der Maschinerie des Alltags mit der wir das Unberechenbare im Leben kontrollieren und gestalten wollen. Paradoxerweise hilft sie aber auch dabei gelegentlich. Meistens aber fordert sie, dass wir springen, ohne zu wissen, ob und wo wir landen können. Von Buchhaltung hält sie nicht viel. Über Forderungen höre ich sie leise kichern, und mit den Theorien, die sie fassen sollen, spielt sie wie mit Bauklötzen. Manchmal lässt sie sich sogar auf schmutzige Affären ein, Moral ist ihr fremd. Deshalb kann man sich ihre Gunst auch nicht verdienen; Wohlverhalten, guten Willen und die besten Absichten kann sie herzlos ignorieren. Dafür hat sie einen ausgeprägten, manchmal auch skurrilen Sinn für Humor.
Ich möchte Ihnen noch mehr über das Geheimnis erzählen, wie ich mich auffindbar für sie machen kann, nachdem ich ihr nun schon verfallen bin. (Allerdings habe ich keine Garantie, dass sie dann auch wirklich kommt.) Im Grunde ist es so einfach: Wenn sie in der Nähe ist, muss ich bereit für sie sein und darf nicht gerade mit meinen Krisen, fixen Ideen und Gewohnheiten so beschäftigt sein, dass ich sie übersehe. Die Hindernisse für ein Rendezvous kommen immer von mir, nie von ihr. Sie braucht mich nicht, aber ich sie. Ob ich leide oder nicht, ist ihr völlig egal, dadurch lässt sie sich nicht erweichen. Das ist meine Sache, mit der ich dann so schnell wie möglich fertig werden muss, um wieder für sie frei zu sein. Für den tragischen Ernst unseres Lebens hat sie nicht viel übrig, davon hält sie sich fern. Was sie lockt ist der offene Geist, das Spielerische. So also kann ich mich auffindbar machen. Alles was mir hilft, die Grenzen meiner Vorstellungen zu übersteigen, mich neugierig macht und mir das Staunen wieder beibringt, breitet den roten Teppich für sie aus.
Und wenn sie dann endlich kommt, beginnt der schwierigste Teil. Sie sieht mich ganz und will mich ganz. Also kann ich meine Macken, Besessenheit, Vorurteile und meine eigenen Grenzen nicht vor ihr verstecken. Den Kopf darf ich verlieren, aber nicht den Verstand – sonst verstehe ich sie nicht.
Denn sie will nicht nur in Gefühlen versinken, sondern fordert ein Gegenüber, das standhält. Mir macht das Angst, und dies ist das sichere Gefühl, dass sie sich in der Nähe herumtreibt. Wenn ich diese Angst überwinde, den Sprung wage, dann schenkt sie mir in unseren kurzen Vereinigungen ein solch unerhörtes Glück, eine unbegrenzte Verbundenheit, das Gefühl, eins zu sein mit allem Lebendigen, dass die ganze Angst zu Asche wird. Allmählich kenne ich das nun, aber es ist immer wieder ein neues Wunder, das gefeiert werden will.

Das einzige, was ich nicht an ihr mag, ist ihr schwerfälliger Name: KREATIVITÄT

Der kreative Funke
von Alexander Jeanmaire
Handbuch für Kreativität und Lebenskunst
ISBN 3-938 193-00-X

oder die seltsame Verwandlung

???

Eben haben wir noch über den Sinn des Lebens philosophiert, haben die Tiefen unserer Erkenntnisse ausgelotet und festgestellt, dass wir nichts wissen, nun hantiert der Freund an meinem Computer und flucht was das Zeug hält. Ich habe ihn gebeten, eines meiner üblichen IT-Probleme zu beheben – easy. In unregelmäßigen Abständen stößt dieser mir nun doch fremde Mann die wildesten Verwünschungen aus, wobei das Wort “Schei…” durch Attribute wie “verdammte” und “verfluchte” unterstrichen wird. Unterbrochen wird die Tirade durch plötzliche Attacken von Bewegungsdrang, dann springt er auf und kurvt haareraufend um den Tisch, um sich gleich darauf wieder starren Blickes vor den Bildschirm zu hocken und vor sich hin grummelnd auf die Tastatur einzuhämmern. “Das muss doch…verfluchte Sch…wieso geht das jetzt nicht… das kann doch nicht wahr sein…verdammte Sch… nun mach schon, du blödes Sch…ding!” Es kommt vor, dass er in letzter Verzweiflung zum Handy greift und seinen Sohn anruft “Sag mal, ich versuche seit einer Stunde … die Rödelei geht mir mächtig auf den Zeiger… hast du eine Ahnung, wie das geht?” Selbstverständlich hat der eine Ahnung wie das geht und die nächste halbe Stunde wird mit Ferndiagnose verbracht, in besonders harten Fällen per Team-Viewer, was mir irgendwie unheimlich ist. Dann funktioniert alles plötzlich wieder, sein Blutdruck sinkt, die Atmung beruhigt sich und er schaut mich mit leuchtenden Augen an. “Geschafft – geht doch!” Angeblich hat das nun ein Ende, denn jetzt habe ich einen Mac – nun wird alles gut :-D Schaun wer mal…

guckst Du
Pigor \”Nieder mit IT\”

Musikprojekt für Kinder in Kamerun

Eine Initiative von Christof Hinckel

 

In Zusammenarbeit mit dem Kamerun4ArfrikaClub e.V. dessen Aufgabe es ist, Kindern und Jugendlichen durch Stipendien den Zugang zu Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, habe ich das Projekt “MIK” Musik Initiative Kamerun („The KAC – Choir“) ins Leben gerufen.  Wir haben einen Kinder- und Jugendchor gegründet, der von qualifizierten Chorleitern begleitet wird und traditionelles Liedgut des Landes einstudiert. Der Erlös aus dem Verkauf der CDs fließt zu 100% in diese Projekte. Ich freue mich, Ihnen das Projekt vorstellen zu dürfen – Christof Hinckel.

http://www.kamerun4afrikaclub.de/de/projekte/das-kac-choir-pojekt.html

hier gibt es ausführliche Informationen

Wir freuen uns über Ihr Interesse und stehen jederzeit gerne für Auskünfte zur Verfügung. Spenden sind herzlich willkommen, denn das Projekt steht und fällt mit der Finanzierung. Das Spendenkonto finden Sie ebenfalls unter o.g. Homepage – unbedingt bei der Überweisung Stichwort “Chor” angeben und Ihre Adresse für die Spendenquittung.

Vielen Dank

Atelier Karola Hinckel
Langstraße 3
D-65558 Gückingen
06432-801199 oder info@kh-art.de

Beruf Künstlerin

ein Referat über Frauen in der Kunstgeschichte

Die Frau als Künstlerin
Malerinnen waren von Beginn an Außenseiterinnen in einer Männerdomäne, in der zwar angeblich nur das Talent zählte, die sich jedoch kaum entgegenkommend zeigte.  Es herrschte der Mythos vom Talent, das sich durchsetzt. Niemand würde heute einer Sängerin oder Tänzerin die Berechtigung zur Ausübung ihres Berufes absprechen, werden doch Stücke und Opern speziell für Frauen und über Frauen geschrieben. Genausowenig wie es heute jemand einer Frau abspricht, wenn sie den Beruf Malerin wählt. Doch bis heute war es ein langer Weg.

Virginia Woolfe hat einmal gesagt:

„A room of ones own“

Ein Zimmer für sich allein, um konzentriert arbeiten zu können, sei die erste Voraussetzung um überhaupt Schriftstellerin werden zu können.  So ähnlich ist die Situation aller Frauen, die in anspruchsvollen und ungewöhnlichen Berufen arbeiten. Nicht nur in unserer Kultur waren und sind Männer und Frauen stark durch bestimmte Rollenerwartungen und eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung geprägt und eingeschränkt.

Doch es hat sie gegeben – die erfolgreichen, die berühmten Malerinnen, die es trotz allem verstanden sich durchzusetzen – es hat sie immer gegeben und es wird sie immer geben

Rückblick auf das Mittelalter

Im Mittelalter ist in der durch das Kloster bestimmten kulturellen Arbeit beides zu finden -  die Rollenverteilung einerseits und die Möglichkeiten zu künstlerischer Tätigkeit von hoher Qualität.  Allerdings waren Frauen von Bildhauerei, Steinmetzarbeit, Architektur und Bauarbeit überhaupt ausgeschlossen, ebenso von der „höheren Bildung“.  Bekannter waren in dieser Zeit die Frauen als Kunstförderinnen, denn sie waren es, die Bücher in Auftrag gaben und sammelten (Illustration und Illumination von Handschriften wurden u.a. von Nonnen ausgeführt)

Rollen und Vorurteile

Im 16. bis 18. Jahrhundert verschlechterte sich die Situation u.a. durch die Reformation, die durch die vermeintlich gottgewollte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau jegliche Bildungsmöglichkeit einschränkte, die über häusliche Tätigkeiten hinausging. Und dennoch gab es in diesem Zeitraum Malerinnen und Grafikerinnen, die als Mitarbeiterinnen im väterlichen oder brüderlichen Atelier die Möglichkeit hatten Kenntnisse zu erwerben.

Artemisia Gentileschi, Tintorettos Tochter Marietta Robusti, Rosa Bonheur, Judith Leyster.

Akademien

Außerhalb der Werkstattausbildung im familiären Betrieb gab es nur sehr eingeschränkte Ausbildungsmöglichkeiten – die Akademien waren den Frauen verschlossen. Im 18. Jahrhundert verändert sich langsam diese Situation. Frauen richteten in Frankreich private Kunstschulen ein und auch in den Büchern der Academie royale de Paris wurden zwischen 1751 und 1791 111 Künstlerinnen geführt. Trotzdem blieb ihnen noch vieles verwehrt – sie durften nicht an Anatomie- und Akt-Klassen teilnehmen (entscheidend für die Historienmalerei).  Erst gegen 1850 änderte sich dies und es dauerte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bis eine Gleichstellung erreicht war.

1850 bis 1910

Die Kunstschulen und Universitäten öffneten sich nun auch für Frauen. Künstlerinnen hatten nun die gleichen Möglichkeiten der Ausbildung. Sie waren zwar nach wie vor darauf angewiesen, familiäre Erlaubnis und Unterstützung zu bekommen, hatten jedoch erstmals eine reelle Chance in der Öffentlichkeit anerkannt zu werden. Es entstand die erste Frauenbewegung.

Lernbedingungen:  sog. „Frauenklassen“, es gab keine strukturierten Lehrpläne, Frauen waren Kopistinnen, es gab reine Frauenkunstschulen mit Dozentinnen-Tätigkeit. Es gab erstmalsVeröffentlichungen, Romane über Künstlerinnen und Medienruhm. Das weibliche Künstlertum war exotisch faszinierend und eignete sich für die Zurschaustellung, es gab erste Netzwerkgedanken und Künstlerinnenzirkel.

1910 bis 1970

Im 20. Jahrhundert konnten Künstlerinnen Karriere machen. Wenngleich Ablehnung, persönliche Umstände und die verinnerlichte Frauenrolle sie davon immernoch abhielten, hatten sie dennoch die Möglichkeit zur Berufsausübung.  Selbst wenn sie nicht unbedingt Karriere machten, so ergriffen sie doch nach dem Schulabschluss einen Beruf. Frauen studierten an den gleichen Kunstschulen wie Männer, zeichneten Akte, nahmen an Wettbewerben teil, gewannen Preise, erhielten Stipendien, verkauften ihre Arbeiten und beteiligten sich am künstlerischen Geschehen. Sie vertraten ihre Länder in internationalen Ausstellungen und nahmen Aufträge an.

Eileen Agar, Isabel Bishop, Grace Hartigan, Barbara Hepworth, Frances Hodgkins, Käthe Kollwitz, Alice Nell, Georgia O´Keeffe, Ethel Walker, Meret Oppenheim

Oberflächlich gesehen gab es zwischen Künstlern und Künstlerinnen keine Unterschiede mehr, wenngleich Frauen mit Problemen kämpften, denen sich Männer nie gegenübersahen.  Sie waren in erster Linie Frauen. Die Machtstrukturen waren immernoch männlich dominiert – Kunstschulen waren unter männlicher Leitung – Männer erteilten Aufträge – Männer wurden protegiert – Kritiker waren Männer – Museen wurden von Männern geleitet.

Nach wie vor regierte das Vorurteil, den Studentinnen mangele es an Originalität und Ernsthaftigkeit … und sie würden ja sowieso heiraten (bis in die 60er Jahre). Ein weiteres Vorurteil war, dass Frauen nur deshalb in Ausstellungen schwächer vertreten waren und ihre Arbeiten weniger in Büchern abgebildet seien, weil sie nicht genug Interesse zeigten, sie nicht fähig seien ihre Kreativität von der Mutterschaft auf die Kunst umzuleiten, weil sie sich nicht durchsetzen könnten, und weil sie einfach nicht gut genug seien.

Viele widersprüchliche Ideen existierten nebeneinander

- dass Talent geschlechtslos sei und sich immer durchsetzt
- dass die Kreativität der Frau sich aufs Gebären beschränkt.
- Das Unbehagen war jedoch unterschwellig – es blieb unausgesprochen – latent, aber dennoch spürbar
- Ein „richtiger“ Künstler war eben ein Mann – vital, exzentrisch, regelbrechend, mit einem weiblichen Modell.
- Feminismus und Solidarität waren out – niemand pries ein Werk nur weil es von einer Frau war
- Nach wie vor mussten Frauen hart um die „Erlaubnis“ kämpfen, Kunst studieren zu dürfen
- Oder sie wurden gefördert weil eine Frau eben Unterstützung braucht…

Es gab weit mehr männliche Dozenten, die die Bemühungen der Studentinnen unterminierten, als solche die sie unterstützen. Wenn ein Lehrer einen begabten Schüler förderte und eine begabte Schülerin verführte, wurde das als Lebenstatsache angesehen, nicht als sexistisches Verhalten. Wenn eine Frau dann tatsächlich Kinder gebar und eine Falmilie gründete, galt das als Bestätigung für ihren Mangel an Durchhaltevermögen. Den Frauen, die sich durchsetzen wollten blieb nur, dieses Verhalten zu ignorieren und einfach ihren Weg zu gehen. In der Avantgarde-Bewegung fanden sich einige aussergewöhnliche Frauen

Gabriele Münter, Meret Oppenheim, Leonora Carrington Zitat, Hannah Höch, (Alexandra Exter, Lyubow Popova, Olga Rozanova – Russische Avantgardistinnen)

Hierbei waren immer auch die Kontakte zu den avantgardistischen Malern förderlich
- Gabriele Münter lebte mit Wassily Kandinsky
- Hannah Höch gehörte zu den Dada-Künstlern (gegründet nach dem 1. Weltkrieg auf der Grundlage von Pazifismus und anarchischem Expressionismus)und lebte 7 Jahre mit Raoul Hausmann
- Männliche Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung ist ein Element der bildenden Kunst, erst wenn eine Frau beteiligt ist, wird die Begünstigung als solche gesehen und angelastet – geht es um einen Mann, wird kein Aufhebens darum gemacht.

Die Ausbildung und die Öffentlichkeit, die die neuen Kunstbewegungen nun hatten, ermöglichten den Frauen aktiv Anteil zu nehmen, sie waren in jedem Gebiet der Bildenden Kunst vertreten.
(Dadaismus; Neoprimitivismus; Kubismus; Futurismus; Suprematismus; Konstruktivismus; Surrealismus)

Im Surrealismus brachen die Frauen ebenso wie die Männer mit moral-gesellschaftlichen Tabus, wobei sich feststellen ließ, daß dies den Männern keineswegs gefiel. Ein Mann mit mehreren Frauen war anerkannt, eine Frau, die das gleiche tat, verpönt. Andererseits bot der Surrealismus den Frauen gleichberechtigte Möglichkeiten, denn die Malerei war ein Instrument der poetischen Vorstellungskraft.

Sie stellten z.B. eine durch ihr Geschlecht geprägte Version des Surrealismus vor. Sie nutzten die Kraft der Metaphorik um ihre komplexesten und schockierendsten Gedanken und Gefühle auszudrücken. Insoweit war der Surrealismus  relativ frauenfreundlich (Meret Oppenheim – Lunch in furs). Der abstrakte Expressionismus der 1940er war dies nicht!
Wieder herrschte das Bild des egomanen, tabubrechenden, schwitzenden, eimerweise Farbe verspritzenden männlichen Künstlers mit T-Shirt und starken Armen. Erst nach Abflauen der Aufgeregtheit dieser männlichen Enklave, bekamen Frauen ihre Chance. (Grace Hartigan; Helen Frankenthaler)

Wobei Helen Frankenthaler zunutze kam, daß sie ausgezeichnete Beziehungen zu führenden Kritikern der Zeit (Clement Greenberg – formalistische Kritik) und Zugang zu Zirkeln von Jackson Pollock und Willem de Kooning hatte. Wiederum ein Beweis für die vorteilhafte Beziehung zwischen Lehrer und junger Schülerin, oder zwischen berühmtem Meister und Lehrling. Alice Neel reagierte auf den institutionalisierten Sexismus:

“Ich habe die Frauenbefreiung immer gebraucht. Ich hatte sie in mir, aber da draußen überrannten mich all diese Leute, obwohl ich als Malerin wesentlich besser war.“
Sie kämpfte jedoch nicht, sondern ließ sich 1958 psychologisch beraten, wie sie ihre Werke der Öffentlichkeit vorstellen könnte.

Der Widerspruch dieser Zeit war, daß Talent einerseits als geschlechtslos galt, Frauen aber andererseits ständig gefragt wurden, ob sich ihre Kunst von der der Männer unterscheide. Meist wurde von den Frauen jeder Unterschied bestritten. Sonja Delauney auf diese Frage: „Ich sehe da keinen Unterschied. Es gibt gute und schlechte, genau wie bei den Männern.“ Das Thema „Verschiedenheit der Geschlechter“ war nicht totzukriegen. Barbara Hepworths (verzweifelt): „Ich habe nie verstanden, warum das Wort weiblich als Kompliment für das eigene Geschlecht gilt, wenn man eine Frau ist, aber auf alles andere angewandt eine negative Bedeutung hat. Die weibliche Sichtweise ist zur männlichen komplementär.“  Sie wagte die Behauptung, dass ihre Herangehensweise in der Bildhauerei teilweise ihrem Frausein zuzuschreiben sei.

„…weibliche Erfahrung hat einen großen Anteil an der Wahrnehmung von Formen….viele Ideen entspringen einer innerlichen Vorstellung von Form…dann berührt mich nicht so sehr, das was ich sehe, sondern das was ich fühle…“

Manche Frauen machten Frauen zu ihrem Sujet

  • Hannah Höch kritisiert Luxusleben, Schönheitsideale, Frauenrolle.
  • Alice Neel faszinierten schwangere Frauen – sie malte sie nackt.
  • Isabel Bishop malte berufstätige Frauen.
  • Käteh Kollwitz bildete das Leid und das Heldentum der Frauen ab.
  • Grace Hartigan versuchte die Beziehung zwischen Frauen und dem Rhythmus der Natur darzustellen.

Ebenso hartnäckig wie das Vorurteil gegen Amateurinnen hielt sich auch die Vorstellung, Frauen müssten nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Sonja Delauney verlor in der russischen Revolution ihr Vermögen und verdiente 20 Jahre lang für ihre Familie (Ehemann und Sohn) mit Textildesign den Lebensunterhalt. Ethel Walker versuchte ständig sehr selbstbewußt, ihre Arbeiten zu verkaufen – wenn nötig auch mit viel Eigenlob und Hinweis auf Fremdlob – wer sollte sonst die Rechnungen bezahlen?

Familie

Allen Frauen gemeinsam ist, daß – anders als bei Männern – eine Eheschließung und Kinder die Fortsetzung der Karriere erst einmal in Frage stellt. Die Künstlerinnen bemühten sich zu beweisen, daß die familiären Verpflichtungen keinen Einfluß auf ihre Arbeit hatten. Barbara Hepworth und Käthe Kollwitz widmeten einige Arbeiten explizit ihren Kindern. Dies ist wiederum ein Beweis dafür, daß es wohl nötig war, die allgemeine, unterschwellige Meinung wenigstens zum Schein zu widerlegen, dass Frausein, Mutterschaft, Ehe und Künstlertum nicht vereinbar seien.

Öffentlichkeit

In zunehmendem Maße war es den Frauen möglich, aber auch nötig, um bekannt zu werden sämtliche Mittel der Publikation zu nutzen, sei es durch eigene Artikel in Kunstzeitschriften, durch Kataloge, Verfassen von Manifesten, Gründung von Gruppierungen, Dokumentationen und andere Veröffentlichungen, denn in diesem Zeitalter bestimmten zunehmend Zeitungen darüber, wer bekannt wurde und wer nicht. Es war wichtig geworden, die Kunst wie einen Markenartikel der Öffentlichkeit einzuprägen. Mittlerweile gab es auch weibliche Kunsthändler und Galeristinnen, die der Frauenkunst wohlwollend gegenüberstanden.

Die 60er Jahre

Die 60er Jahre führten zu einer vermehrten Verunsicherung der Frauen. Trotz vordergründiger Gleichberechtigung, sahen sie die Widersprüche deutlicher als je zuvor – es galt nach wie vor die männliche Dominanz als Norm. Dies führte zum einen zu Verhaltensweisen wie der Verleugnung der eigenen Weiblichkeit, als Frau eben anders zu sein als gewöhnliche Frauen, Rücksichtslosigkeit und Macho-Gebahren… Der Feminismus winkte.

1970 und später

Nun begannen die Frauen, die Spielregeln selbst zu ändern.

Jennifer Bartlett, Judy Chicago, Mary Kelly, Miriam Shapiro, Faith Ringgold, Louise Bourgeois, Kiki Smith, Jenny Saville, Tracy Emin, Sophie Calle, Janine Antonioni, Marina abramovic, Sylvia Sleigh, Cindy Sherman, Rachel Whiteread, Mona Hatoum, Susana Solano,

Nachdem ihr klar geworden war, daß sie bisher nur Anerkennung gefunden hatte weil sie ihre weiblichen Vorstellungen von Form und Inhalt verdrängt hatte, gründete Judy Chicago gemeinsam mit Miriam Shapiro (1972) das Womanhouse. In einem beispiellosen feministischen Kunstprojekt wurde nach spezifischen weiblichen Ausdrucksformen und Problemstellungen geforscht und gearbeitet. Die Frauen beschäftigten sich mit z.B. folgenden Problemen:

- chauvinistische Einstellungen im Alltag und innnerhalb der Strukturen von Kunsthandel und Ausstellungen
- die männliche Welt der Kunst mit ihren Instituionen, Sichtweisen, Überzeugungen und Werten
- Gegen das Klischee, das Talent habe kein Geschlecht (denn das hatte nicht zur Gleichberechtigung geführ)
- Jahrhundertealte parteiische Behauptungen (Mangel an Ernst, Schwäche, mang. Durchsetzungsvermögen)

Der Feminismus bot nun ein klares Ziel – den Kampf gegen die bestehenden Regeln

Es war jedoch keineswegs unumstritten innerhalb der feministischen Bewegung, woran es denn nun läge, daß Frauen nach wie vor unterrepräsentiert waren, obwohl sie mittlerweile mehr als die Hälfte der Studenten an den Kunsthochschulen stellten. War es so, daß frauenfeindliche Institutionen ihr Fortkommen verhinderten? Oder lag es an ihren eigenen verinnerlichten Einstellungen? Wie dem auch sei – die Bewegung löste erstaunliche Neuerungen aus. Die Künstlerinnen scheuten sich nicht mehr, Gefühle zu verletzen. Die offensichtlichen Ungerechtigkeiten rückten ins Bewußtsein der Öffentlichkeit. Die offen ausgesprochenen Fragen und Ideen stärkten das Selbstbewußtsein und die Frauen beschäftigten sich mit Aspekten der Kunst, die für Frauen von Interesse waren.

Themen der feministischen Kunst:
Ethnische Identität, Sexuelle Orientierung (z.B. Lesbierinnen), Sozialismus, Frauentypische Krankheiten, Fixierung auf Diät und Figur, Sex, Haushalt und Mutterschaft (praktische, nicht ideelle Prägung), Tabus wie Menstruation, Traditionell „weibliche“ Materialien (als Anspielung auf Rollenklischees), Weiche Skulpturen, Stoffe, Strick- und Näharbeit, Miriam Shapiro – erfand die „Femmage“ (feministische Version der Collage – Kombination aus Stoff und Malerei),  Faith Ringgold – Stoffapplikationen (Geschichte der afro-amerikanischen Frau), Ihre Performancekunst beschäftigte sich mit den unbewußt gespielten Rollen und Verhaltensmustern – Sie schrubbten die Fußböden der Galerien – Kochten in Zeitlupe – Oder in endloser Wiederholung der immergleichen Tätigkeit – Sie traten nackt auf um den weiblichen Körper aus der traditionellen Betrachtung des künstlerischen Akts herauszulösen. Louise Bourgeois verdankt einen großen Teil ihres Erfolges der feministischen Bewegung (nicht zuzuordnende Installationen, Skulpturen und Zeichnungen) Die feministische Kunst sprach ein Publikum an, das immerhin aus der Hälfte der Bevölkerung bestand

Kunst von Frauen für Frauen…

Sie versuchten den Traum einer weiblichen künstlerischen Gemeinschaft zu verwirklichen. Es wurden Galerien von Frauen für Frauen gegründet, die „weibliche“ Kunstgeschichte wurde erforscht und in Kursen weitergegeben, den Frauen wurden Räume für ihr eigenes Kunstschaffen zur Verfügung gestellt, Kritikerinnen beschäftigten sich ausschließlich mit Werken von Künstlerinnen.  Obwohl in den eigenen Reihen nicht unumstritten – leben wir dann in einem Frauenstaat?- hatten die Theorien enorme Resonanz auch bei Kuratoren und Kulturkritikern, denn sie boten Nahrung für den Hunger nach Sensationen

Besonders zu würdigen ist das Bestreben nach Dokumentation von Leben, Werk und Konzeption von Künstlerinnen und die Überprüfung der Kunstkritik auf Unfähigkeit zur gleichberechtigten Behandlung von Künstlerinnen, dieses Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Diese Forschungen haben dazu geführt, daß wir heute wissen, welche Schwierigkeiten die Frauen hatten und haben.  Sie beleuchteten auch die Affekte, die diese Hemmnisse im Werke der Künstlerinnen widerspiegelt - Artemisia Gentlieschi – Rachekunst, Frida Kahlo – Chronik des Schmerzes

Leider führete das aber auch dazu, daß in keiner Künstlerinnengeschichte das leidvolle Element fehlen durfte, dass es zu einem delightfull horror wurde, einem genüsslichen Entsetzen.

Dabei wäre es auch wichtig zu betonen, daß es die andere Seite gab und gibt:

  • Die Freude am Erfolg
  • Die Stärke und Durchsetzungskraft
  • Die Unterstützungen
  • Der Beifall
  • Die Befriedigung durch die eigene Arbeit
  • Das Selbstbewußtsein und der unerschütterliche Wille,
    ihren eigenen Weg zu gehen – komme, was da wolle!

Denn beide Seiten haben recht – Frauen stehen miteinander im gleichen Wettstreit wie Männer, sie erleben gleichermaßen Freude und Frust. Es gab Frauen, die sich weigerten für die feministische Theoriebildung herzuhalten.

Zitat Bridget Riley:

„Ich möchte nicht leugnen, dass die Gesellschaft jemanden der Künstler und zugleich Frau ist, mit besonderen Problemen konfrontiert. Meiner Meinung nach sind diese jedoch im Schwinden begriffen, und außerdem haben nur wenige männliche Künstler die entsprechenden physischen und sozialen Probleme umgehen können, z.B. Armut, Krankheit, verständnislose Ehepartner, Alkoholismus, räumliche Isolation usw. Auf Künstlerinnen bezogen, erscheint mir die Frauenbefreiung als naive Vorstellung. Sie setzt Ziele, die in diesem Kontext ziemlich absurd sind. In unserer heutigen Zeit können Künstler, die zufällig Frauen sind solche Hysterie ebenso gut gebrauchen wie ein Loch im Kopf.“

Auch Georgia O´Keeffe war nicht erbaut davon in die verletzte weibliche Ecke gestellt zu weren (auch wenn es Frauen taten), hatte sie doch ein Leben lang dafür gekämpft, daß ihre Kunst nichts damit zu tun hat.

Wie dem auch sei, die Geschichte musste möglicherweise so sein, denn all das hat dazu geführt, daß Frauen in einer männlich dominierten Welt den Kampf für ihren eigenen Weg aufgenommen haben. Einen Weg, den sie heute noch immer gehen und wohl auch nie mehr verlassen werden.

Quellen:
GEDOK Gestern und Heute „Kontrapunkt“ 1992 – Dokumentation zum 50. Todesjahr der Gründerin Ida Dehmel
Frances Borzello – „Ihre eigene Welt“ – Frauen in der Kunstgeschichte
Renate Berger „Und ich sehe nichts, nichts als die Malerei“
Klaus Honnef – Kunst der Gegenwart
ZKM – Kunst der Gegenwart

Ich ging im Urwald so für mich hin
Und nichts zu suchen war mein Sinn
An jedem Urbaum, Blatt für Blatt
hing Urlaub – wie gut, dass man ihn hat!

Heinz Erhard

Faszinierend, was der Erholungssuchende so auf sich nimmt, um in den durchschnittlich 30 Urlaubstagen sowohl seine Arbeitskraft wieder herzustellen als auch seinen Herden- und Wandertrieb zu befriedigen. Wie es heißt, beginnt der Urlaub breits mit der Fahrt zum Urlaubsort. Er beginnt mit kilometerlangen Staus auf Autobahnen, stundenlangen Wartezeiten an Maustellen, Grenzübergängen, Tunneleinfahrten, Flughäfen und Bahnhöfen. Der Billig- und Pauschalreisende nimmt ein erstes Bad in der Menge und beteuert, dass er es genau so und nicht anders will.
Darüberhinaus schlagen bei Reisenden urzeitliche Gene durch, die bewirken, dass Mensch sich um Parkplätze und Strandliegen listenreich befehdet und beim Run auf das morgendlich Frühstücksbuffet ähnlich hohe Adrenalinspiegel zeigt wie der Steinzeitjäger an der Wursttheke. Willig zahlt er himmelhohe Preise für unterirdische Andenken und knipst, was der Mikrochip hergibt. Egal was vor die Linse kommt, es ist Beute, die man in der heimischen Höhle vorzeigen kann, außerdem dient sie der Erinnerung, wo man überhaupt die kostbarsten Wochen des Jahres verbracht hat. Besonders beachtenswert sind Urlaubsreisende, die, haben sie erst einmal eine Fremdhöhle gefunden, die ähnlich heimelig ist wie die eigene, für den Rest ihres “verdammt langen” Lebens immer wieder dorthin zurückkehren – Jahr für Jahr – in genau denselben Ort, in dieselbe Pension, ja sogar in dasselbe Zimmer. Das nennt man Reviertreue! Der Stammgast reagiert sogar mit Befremden, wenn plötzlich ein NEUER Gast auftaucht, oder andere altbekannte Gäste nicht gleichzeitig urlauben – sind Peter und Gudrun aus Wuppertal etwa krank? Eindringlinge werden beschnuppert und beobachtet und wehe sie passen nicht ins heile Weltbild. Dann war der Urlaub nicht so schön wie sonst und schuld waren die doofen Fremden – man muss mal mit Luigi sprechen, so geht das aber nicht.

Es ist auch erstaunlich, dass der durchschnittliche Bundesdeutsche noch genug Devisen zur Verfügung hat, um Traumschiffreisen, Tripps nach Fernost und seine Erstbesteigung des Kilimandscharo zu finanzieren. Man gönnt sich ja sonst nix und bucht zum halben Preis über die britischen Inseldiscounter. Für irgendwas muss der ungeliebte Job ja gut sein und überhaupt, wenn wir mal in Rente sind, geht es erst so richtig los, dann fahren wir im Konvoi per Wohnmobil durch Sibirien,  den wilden Westen und – Afrika duck dich, wir kommen – jawoll :-)

Gute Reise!

“Ich wünsche für alle Menschen den Weltfrieden!” sagte die Schönheitskönigin, lächelte und hatte keine Ahnung wovon sie sprach.  Im Allgemeinen bedeutet Frieden die Abwesenheit von Konflikt, so wie Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit ist. Das legt nahe, dass der Begriff als solcher keine feste Kontur hat, sondern einen Prozess beschreibt. Die friedensbewegten Geister dieses Planeten sind fortwährend bestrebt die Möglichkeiten von Kriegen und repressiven Einflüssen zu verhindern. Man verhandelt, man protestiert, man demonstriert, man vermittelt, unterschreibt Petitionen, man klagt an (anprangering), legt lahm bis hin zu Sabotage und kämpft den Kampf des Don Quichote gegen übermächtige Windmühlen. Erreichen werden wir den erstrebten Zustand nie.  Die esotherisch-religiöse Variante beinhaltet die Selbstreflexion und hat die Gelassenheit im Umgang mit Konflikten zur Maxime: “Mach dein Ding und kümmer dich nicht drum, dann hast du inneren Frieden.”  :-) – auch nicht schlecht!

Picasso "Frieden"

Damit sind Konflikte jedoch nicht aus der Welt zu schaffen, es gibt sie und es wird sie immer geben. Es scheint eine innere Notwendigkeit zu sein, ohne die der Begriff Frieden sich in Luft auflöst. Wenn die Schönheitskönigin inneren und äußeren Frieden wünscht, wie muss sie das formulieren? Wie fühlt sich dieser Zustand an? Wie sieht er aus? Was hört, riecht, schmeckt und tut sie? Haben alle subjektiven Wünsche und Vorstellungen eine kollektive Schnittmenge? Ist alles Friede, Freude, Eierkuchen? Wohl kaum.

Es läuft auf einen Balanceakt hinaus, denn die Friedens- und Glücksvorstellungen jedes Einzelnen, jedes Kollektivs, jedes Staates sind nicht über einen Kamm zu scheren, wenngleich totalitäre Systeme das gerne so hätten – einfacher wird es dadurch jedoch nicht.

Wir lesen immer wieder einmal von diesen Wohltätigkeitsveranstaltungen, zu denen der handverlesene, europäische Alt- und Geldadel zusammenfindet um bei einem auserlesen üppigen Festbankett Kröten für hungernde Kinder der so genannten 3. Welt zusammen zu fressen.

Königin Sylvia isst für den Frieden

eine Komposition in Ess-Moll für Taktmesser, Stimmgabel und Alt

Komponiert von Ernst Derlage

Als Aperitif genehmigen wir uns einen Prosecco,
dann folgt sogleich der Amuse greul

Der Erste Gang, die Vorspeise

ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄSSen

antipati extremisto al dictatori
Zu Talibananencocktail
An Eierhandgranatapfel
Danach gibt es eine
Serbische K-FOR Suppe Auf Tellermine, scharf

Dazu empfehlen wir eine Amselfeldflasche Jahrgang 1998

Nix verschlabbert – nix verschütt – Guten Appetit!
Was tut man nicht alles für einen guten Zweck, nicht wahr George,
reich mir doch bitte noch ein paar blaue Böhnchen im Speckmantel!

Dem Ersten folgt sodann der Zweite, die Hauptspeise

eeeeeeeeeeeeeesseeeennnn!

Al dente
Über friendly fire zart gegarte
Mittelstreckennachtflugente
Auf Bombenteppich
Mit Sprengkopfsalat
Reingelegtes Ledernackenkotelett
In Torpedofett am Sperrfeuer gegrillt
Dazu Zilvilistenleber und
Kindergekröse am Grenardierspieß

Hierzu empfiehlt das Haus eine Flasche 1999er Liebfrauenmilch Kosovoextremlage

Mir hat man noch beigebracht alles aufzuessen, weil in Afrika die Kinder verhungern

Nach dem Zweiten folgt sogleich der Dritte, das Dessert

Subito Espresso

ISSISSISSISSISS

Agent Orange Sorbet am Napalmbett
mit Granatsplittern garniert
und Rotkreuzritterblockadeschokolade
an Tutsiparfait

dazu als absolutes Highlight empfehlen wir unbedingt einen doppelten Suicidkommandoshake Skyscraper in Big Apple

Zum Abschuss noch einen Amaretto religioso, Amore mio?

Dann wird die letzte Schlacht geschlagen
Denn Kriege gehen auf den Magen
Vor dem Bauch sind alle gleich
Ob arm, ob reich
Ob hart, ob weich
Kein Geld ist zu schade
Keine Suppe zu fade
Fade    Fade    Fade  Fade
Dann gibt es hienieden
Nur noch FRIEDEN!
FRIEDEN!
FRIEDEN!
FRIEDEN!

Karola Hinckel überarbeitete Version 2006-03-30

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